Silvia Stecher , Bakk.ᵃ phil.

Jede Form von Textarbeit – Schreiben, Übersetzen oder Lektorieren – ist für mich etwas Dialogisches, zwischen Menschen, Texten, medialen und gesellschaftlichen Bedingungen, zwischen Un- und Möglichkeiten. Ich freue mich, wenn Sie mir literarische Texte, Übersetzungen, Texte aus Kunst und Kultur, theoretische Abhandlungen oder wissenschaftliche Sammelbände anvertrauen. Aber auch aus Ihrem Jahresbericht, Newsletter oder Sportmagazin mache ich kein Gedicht, versprochen!

Ich war vermutlich fünf Jahre alt. Saß. Auf dem Küchenboden. Vor mir Bilderbücher mit Texteinschlag oder Modekataloge oder Die ganze Woche. Auf der Rückbank der quietsch- oder war es eine rostgelbe Ente meiner Mutter. Ging. An ihrer Hand ins Dorf. Erinnert sich mir. Henndorf. Um Zuckmayer und Freumbichler wusste ich nicht, geschweige denn Bernhard. Niemand sprach über Literatur. Es wurde noch Waggerl gelesen. Aber die Geheimschrift der Erwachsenen musste gelüftet werden. Das stand fest. Als eifrige Kryptologin fragte ich meine Mutter Buchstaben in den Bauch, bis alle Zeichen, Formen und Kombinationen entschlüsselt waren. Die Bücher, mit denen sie mich versorgte, musste sie mir bald nicht mehr vorlesen. Ich weiß nicht, ob sie darüber traurig war oder froh. Die Dorfgänge, die Ausfahrten im ruck-zuck-tuckelnden Deux chevaux wurden zu Expeditionen ins offene Schriftgelände. Lettern auf Geschäften, Straßenschilder, Werbebanner, die sonntags, oder war es samstags zur Mittagssirene, von einem Heißluftballon oder Kleinflugzeug baumelnd den Himmel spurten: Schrift bannte mich und verlangte nach Dechiffrierung, nach Deutung.

Die Liebe auf den ersten Blick wurde keine bedingungslose. Schule, Handelsakademie, das nagende Gefühl, dass gesellschaftliche (Macht-)Verhältnisse irgendwie mit Sprache zusammenhingen. Zwischen Bernhard, Jelinek und Goldman. Studium der Germanistik mit ausgestreckten Fühlern in die Philosophie, die Kulturwissenschaften und Gender Studies. Zwischen Foucault und Butler, Bourdieu und Marx. Sehnsucht nach einer neuen Sprache. Mir neuen Sprache. Studium der Slawistik – zurück an den Start. Dobar dan. Wie schön das klang. Und ein neuer Satz Buchstaben. Ich saß wieder in der ersten Klasse und malte das kyrillische Alphabet. Od samog početka. Die Liebe zur Sprache kehrte wieder, die Skepsis blieb. Von dort war es nicht mehr weit zum Lektorieren, zum Übersetzen (Bosnisch/Kroatisch/Serbisch) oder dem Herausgeben einer Literaturzeitschrift …

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